„Ist Dir der Abschied von Poppy nicht schwergefallen?“
fragten mich meine Freundinnen, die allesamt in die hübsche weiße Pomsky-Hündin verliebt gewesen waren. Genau so wie mein Mann, der trotz Allergie über ihre weißen Haarbüschel hinwegsehen konnte, die sie im ganzen Haus verteilte. Wenn sie sich an ihm hochstellte und ihn mit den Kajal-umrandeten Augen einer orientalischen Prinzessin anschaute, schmolz auch er dahin wie Butter in der Sonne. Selbst als sie in einem Wutanfall ganz prinzessinnen-unlike auf seine Bettdecke pinkelte, konnte er großmütig darüber hinwegsehen. Sie hatte unsere Herzen erobert, und, ja, natürlich ist uns der Abschied nicht leichtgefallen.
Anpassungsfähige Hunde
Drei Wochen lang war die einjährige Pomsky-Hündin meine Lebensgefährtin, während ihre Menschen in einem fernen Land Urlaub machten. Wir beide kannten uns schon recht gut, da Poppy seit ihrem frühen Welpenalter zu mir in die Hundeschule kommt. Trotzdem – nun zum ersten Mal von zu Hause weg, und gleich für drei Wochen – da macht man sich schon Gedanken, ob so ein kleiner Hund kein Heimweh bekommt. Jedoch, als der Moment kam, dass sich die Türe hinter ihren Menschen geschlossen hatte, fiepte sie noch ein paar Minuten hinter ihnen her, und begab sich dann daran, ihr neues Umfeld zu untersuchen. Von da an war sie „unser Hund“, und so blieb es auch, bis sie wieder abgeholt wurde.

Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich mich immer wieder darüber wundere, wie anpassungsfähig Hunde sind. Poppy ist nicht die erste, die längere Zeit bei mir zu Gast war, und die ihre liebenden Menschen während des Aufenthaltes nicht zu vermissen schien.
Nur einmal ist es vorgekommen, dass Poppy einem kleinen Mädchen hinterhergewinselt hat, als ich mit ihr in einem Restaurant mit Außengastronomie saß. Dieses Mädchen sah mit seinen langen blonden Haaren von hinten tatsächlich dem Kind aus Poppys Familie sehr ähnlich. Da hat sie mir ein bisschen leidgetan.
Und damit komme ich schon zu dem Teil unserer gemeinsamen Unternehmungen, über die ich Euch hier ein bisschen berichten möchte.
Zeit, Neues zu lernen
Wenn ich einen meiner „Kunden-Hunde“ für eine Zeit in Obhut nehme, „verwahre“ ich den nicht bloß, sondern er ist dann Teil meines abwechslungsreichen Alltags. Er ist dann immer bei mir, muss allerdings auch mal im Auto warten, wenn ich ihn irgendwohin nicht mitnehmen kann. Ansonsten lernen die Hunde während dieser Zeit sehr viel bei mir, und sind, wenn sie wieder von ihren Menschen abgeholt werden, ein Stück „erwachsener“ geworden.
Poppy hatte Angst vor Pferden, Ziegen und Katzen, also machte ich ausgiebige Gelassenheitstrainings mit ihr.

Wir gingen zusammen durch die Stadt, durch den OBI fuhr sie im Einkaufswagen, sie war mit beim Friseur und in der Pizzeria.

Sie ging mit mir durch die Agger und sie liebte es, an der langen Leine über die Felder zu rennen und das Dummy zu apportieren.
Mit Hund zum Open-Air-Konzert?
Als am Freitag Abend eine Band auftrat, die ich gerne sehen wollte, dachte ich zuerst: „Geht nicht, ich kann den Hund nicht so lange alleine lassen.“ Dann fiel mir auf einmal ein: „Moment, wie hätte ich das denn früher gemacht? Da hätte ich den Hund ins Auto gepackt und wäre mit ihm auf das Open Air Konzert gefahren. Wäre ja mal einen Versuch wert.“
So machte ich für uns beide ein gemütliches Bett hinten im Caddy und gondelte mit Poppy an Bord Richtung Sieg, wo das Open Air Blues-und-Rock-Konzert stattfinden sollte. Als die Band sich um 19.00 Uhr einspielte, setzte ich mich in hinterster Reihe auf eine Bank und schaute, wie Poppy reagierte. Natürlich hätte ich bei Anzeichen von Unwohlsein mit ihr die Veranstaltung verlassen. Poppy aber lag ruhig unter der Bank auf dem Handtuch, dass ich ihr als Ruheplatz angewiesen hatte.
Gegen 10.00 Uhr, als die Band die zweite „Pinkelpause“ ankündigte, fanden wir, dass wir genug vom „Luxus-Lärm“ gehabt hatten, und machten es uns im Auto gemütlich. Nach dem langen Tag schlief sie eingerollt neben mir ein, und als die Band um Mitternacht neben uns ihr Equipement in den Bus räumte, hob sie nur ihr Köpfchen und spitzte die Ohren. „Psst, sei schön still.“ hatte ihr gereicht zu verstehen, dass ich das registriert hatte, und dass alles in Ordnung war.
Ein Erinnerungsstück
Als ich heute die Terrasse kehrte, lag da, zwischen Papierfetzen und den unvermeidlichen weißen Haarbüscheln, das abbe Bein des potthäßlichen Faultiers, das Poppy immer mit sich herumgeschleppt hatte. Ich hob es auf, zupfte liebevoll die Blätter davon ab und legte es auf die Fensterbank. Da liegt es nun – und wenn ich es anschaue, wird mir doch ein bisschen wehmütig.
