Kein richtiger Tunnel?
Eines vorweg: Alle Teilnehmer/innen unseres Mobility-Kurses am Samstag konnten erfolgreich abschließen. Erfolgreich heißt: Am Kurs-Ende waren bei allen Teams deutliche Fortschritte zu sehen.
Dabei ist es gar nicht so einfach, ein Programm für eine Gruppe von 6 Mensch-Hund-Teams, von denen 4 Teams zum ersten Mal Mobility machen, so zu gestalten, dass keiner von ihnen über- oder unterfordert ist.
Ein neues Konzept
So hatte ich für diesen Kurs ein ganz neues Konzept erdacht, in dem immer alle aktiv sein konnten, so dass sich keine langweiligen Wartezeiten für die Teilnehmenden ergaben.

Das heißt, ich hatte die Mobility-Elemente rundherum in der Reithalle auf dem „Hufschlag“ aufgebaut, und alle gingen ständig im großen Kreis, bzw. Oval, und konnten in ruhigem Tempo eine Aufgabe nach der anderen bewältigen.
Step by Step
Da das Erfahrungs- und Ausbildungsniveau ziemlich unterschiedlich war (Die meisten waren Anfänger), begannen wir mit sehr einfachen Aufgaben, die jeder bewältigen konnte, und die im Verlauf langsam gesteigert wurden.
Das ist ein Prinzip mit Erfolgsgarantie, an das ich mich in der Ausbildung von Pferden und Hunden halte, so wie jeder gute, erfolgreiche Tainer es wohl tut. Ich nenne es „den Weg der kleinen Schritte“. In meinem Lehrbuch „Schritt für Schritt zum großen Ziel“ habe ich es anhand der Zeichnung einer Pyramide anschaulich gemacht.

Ich möchte es hier einmal anhand unseres für den Kurs konstruierten „Tunnels“ erklären. Er bestand aus zwei aufrechtstehenden Pfosten aus dem Pferdesport (Ständer/Sprungständer), einer Hindernisstange und einer Plane. Hier beschreibe ich Euch, wie Step by Step aus diesen Teilen ein großer Tunnel wurde, durch den wir die Hunde schicken konnten.
- Die Plane wurde ausgelegt und alle gingen mit ihren Hunden drüber. So what?
- Die Plane wurde an einer langen Seite im Abstand von ungefähr einem Meterfünfzig zur Wand über zwei Böcke gelegt, sodass im nächsten Durchlauf alle mit ihren Hunden durch eine Art „Wanne“ gingen. Kein Problem!
- Die Menschen gingen außen an der „Wanne“ vorbei und zeigten ihren Hunden mit der Hand, dass sie jetzt alleine durch die Wanne gehen sollten. Klappte super!
- Die Plane wurde an einer Seite über die Hindernisstange gelegt und an der Hallenwand festgetackert, sodass ein etwa zwei Meter langer Tunnel entstand, duch den die Menschen in gebückter Haltung ihren Hunden vorangehen konnten. Aufgabe erledigt!
- Die Hunde wurden am Tunneleingang abgelegt („Bleib“ konnten alle), und am Ausgang wurde sichtbar ein Futterdummy platziert. Dann wurden die Hunde mit dem Apport-Signal zum Dummy geschickt. Kein Hund hatte ein Problem damit, alleine durch den Tunnel zu laufen, um zum Dummy zu kommen.
- Die Hunde wurden mit dem Wort „Tunnel!!!“ (statt Apport) zum am anderen Ende sichtbaren Dummy geschickt.
- Es wurde kein Dummy mehr ausgelegt. Die Hunde wurden mit dem Wort „Tunnel!!!“ durch den Tunnel geschickt und am anderen Ende gebührend belohnt.
So lernten alle Hunde zuverlässig und stressfrei Step by Step das Signal „Tunnel!!!“ zu befolgen.
„Habt Ihr denn hier eigentlich keinen richtigen Tunnel?“

Die Frage kam plötzlich und unerwartet
von einem Mann, der seine Frau, die eigentlich als Kursteilnehmerin gemeldet war, begleitete, und nun statt Ihr den Hund führte.
„Was meinen Sie mit einem „richtigen Tunnel?“ war meine Frage darauf. „Ja, so einen richtigen eben, so wie ich einen zuhause habe. An dem ich immer mit ihm arbeite!“
Meiner Erklärung daraufhin keine Beachtung mehr schenkend, verließ er mit Frau und Hund und mit den Worten: „Wir sind weg. Wir fahren nach Hause.“ die Veranstaltung.
Unser „richtiger Tunnel“
ist sechs Meter lang und knallgelb. Hunden, die damit vertraut sind, macht es Spaß, durch den gelben Riesenwurm zu brettern. Die übrige Zeit wartet er zusammengerollt im Schatten der Reithalle geduldig auf seinen Einsatz. Obwohl er harmlos ist, fürchten sich die meisten Hunde anfangs davor, in seinem Schlund zu verschwinden. Das Problem beim Tunnel ist, dass die Hunde es ganz alleine wagen müssen – wir können sie dabei nicht begleiten.

Ich bin aber der Ansicht, dass wir unseren Hunden möglichst immer vorangehen sollten, und ihnen vormachen, wie es geht. Besonders dann, wenn es sich um neue Anforderungen, bzw. „Mutproben“ handelt, so, wie man es auch bei verantwortungsbewußten Tiermüttern, seien es Wölfe, Pferde, Hunde oder sonstwas, beobachten kann.
Und genau aus diesem Grund habe ich diesen alternatien Tunnel so aufgebaut!
So konnten Mensch und Hund wirklich als Teams zusammen erfolgreich sein. Das ist etwas ganz anderes, als dem Hund abzuverlangen, im Schlund des Riesenwurms zu verschwinden, und selber draußen stehenzubleiben. Wir machen Mobility, keinen Hundesport!
Das soll nicht heißen, dass ich nichts von Leistungssport oder von Agility halte, aber warum ich heute diese spezielle Vorgehensweise gewählt habe, konnte ich Euch hier hoffentlich erklären.
Wie hat Euch meine Idee mit dem alternativen Tunnel gefallen? Könnt Ihr Euch vorstellen, für Eure Hunde ähnliches zu improvisieren, oder habt schon eigene ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie hat Euch der Mobility-Kurs gefallen? Euren Kommentaren hier sehe ich mit Spannung entgegen. (Bitte, freundlich und objektiv bleiben.)