Ganz schlechtes Training

Nicht weit von meinem Wohnort entfernt gibt es ein wunderbares Freibad, das ich bei diesen Temperaturen so oft wie möglich nutze. Letztes Mal fiel mir eine Frau auf, die ihrem kleinen Sohn das Schwimmen beibringen wollte. Der Kleine gab sich auch redlich Mühe, hielt den Kopf hoch und ruderte mit den Ärmchen, während seine Mama neben ihm her ging. Scheinbar kriegte er es aber nicht auf die Reihe, dazu auch die entsprechenden „Froschbewegungen“ mit den Beinen zu machen. Mama ermahnte ihn: „Die Beine, denk an die Beine!“

Anfangs dachte ich noch: „wow! Die ist aber ergeizig!“

Im Freibad
Im Freibad

Ich schwimme immer ca. 20 Minuten und irgendwann wurde dieses „DENK AN DIE BEINE!“ zum nervigen Dauerton. Zwischendurch gab es Mama-Kind-Diskussionen: „Ich will raus! Mir ist kalt! Ich will nicht mehr!“ Mir fiel dabei ein, wie ich als Kind das Schwimmen gelernt habe: Ich bekam einen aufgeblasenen Schwimmring, mit dem ich nach Herzenslust rumpaddelte. Wie man dabei Arme und Beine bewegen muss, fand ich von selbst heraus und irgendwann konnte ich schwimmen.

Als die 20 Minuten rum waren, und ich das Becken verließ, hatte sich die Sache soweit hochgeschaukelt, dass der Kleine heulend mitten im Nichtschwimmer-Becken stand und von der Mama bearbeitet wurde: „Du schwimmst jetzt BITTE! bis zum Rand. Und – DENK AN DIE BEINE!!!“

Jetzt gab der Kleine alles, um die Mama zufrieden zu stellen, und schaffte es tatsächlich, mit Armen UND BEINEN! bis zum Beckenrand zu schwimmen.

„Puh! dachte ich, Gott sei´s getrommelt und gepfiffen!“ und auch die anderen Beobachter, rund herum, atmeten merklich erleichtert auf.

Das wäre jetzt, spätestens, der Moment gewesen, den Jungen zu loben und endlich diese Lektion zu beenden. Aber was dann kam, machte mich fassungslos: „So, und jetzt schwimmst du mal eine ganze Bahn!“

Der völlig entnervte Junge (ich schätze ihn auf ca. 4 Jahre) verweigert nun  (mit Recht!)  komplett die Mitarbeit, und wurde von seiner Mama mit den Worten: „Dein Heulen ist so Scheiße!“ zuückgelassen.

Ein ganz schlechtes Training, wie ich finde!

MOTIVATION ist ein ganz wichtiger Begriff im Hunde-Training. Denn nur wer mit Freude lernt, und Erfolgserlebnisse hat, lernt gerne. Und wer gerne lernt, wird gut! Darum sind wir Hunde-Trainer und Hundehalter verantwortlich dafür, unseren Hunden das „Gerne-Lernen“ nahezubringen. Step by Step müssen wir sie an erreichbare Lernziele heranführen, und jedes Lernziel positiv abschließen, so dass der Lernende sich jedes Mal auf das nächste Training freut.

Aufhören, wenn es am meisten Spass macht, und niemals den Bogen überspannen, nach dem Motto: „Da geht noch was!“ Nur so kann man ein Tier, und sicher auch ein kleines Kind, zu großen Leistungen führen. Was soll der Stress? Wir haben doch Zeit. Hunde, Pferde und Kinder müssen lernen, gerne zu lernen, und nicht unter Druck Leistung zu bringen.

Wie denkt Ihr darüber? Auf Euren Beitrag in der Kommentar-Funktion bin ich gespannt!

Kommentare

  1. Victoria Philipp

    Da kann ich dir nur zustimmen!
    Ich habe mit Taro ja auch erst richtig zusammengearbeitet, nachdem jemand (du) uns gezeigt hast, wie wichtig Motivation ist. Taro war total heiss auf den Treibball und Leckerlies. Schwupps, hatte ich einen Treibball spielenden Hund.
    Allerdings gibt es Situationen, da gehe ich einfach. Wenn der Hund sich nicht motivieren lässt. Also bspw. nicht Aportieren will. Dann gehe ich lieber und mache etwas (vermeintlich) interessantes. Das weckt dann oft die Neugierde. Zack, habe ich die Aufmerksamkeit und auch ein wenig Motivation.

  2. Doris

    Schrecklich sowas und so ein tolles Kind. Die Mutter sollte mal eine Kinderhalterschule besuchen!
    Wenn man, wie ich einen HSH, als Hund hat, dann lernt man ganz, ganz schnell, dass es unterschiedlich motivierte Typen gibt und man sollte sich ein wenig dem Charakter des Hundes bzw. des Kindes anpassen.
    Wenn der Junge vier oder fünf Jahre alt war, ist es schon eine tolle Leistung überhaupt schwimmen zu können.

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