Welpenschule. Worauf es ankommt.

Von Zuhause fort

Heutzutage ist es üblich, dass Welpen mit der achten oder neunten Lebenswoche von der Mama getrennt werden, um auf die mehr oder weniger lange Reise in ihr neues Zuhause zu gehen. Dass klingt natürlich zuerst einmal hart. Und ist es ja auch, denn das Hundekind verliert mit einem Schlag alles, was ihm bisher vertraut war: Das gewohnte Umfeld, die Mama, die Geschwister und die bekannten Menschen. Der Grund für diese frühe Trennung ist, dass man inzwischen die Bedeutung des dritten Lebensmonats – die Sozialisierungsphase – als wichtige Lernphase erkannt hat.

Welpe Anton
Welpe Anton schaut noch naiv in die Welt

Die Sozialisierungsphase

Als solche wird die Zeit zwischen dem Anfang der neunten und dem Ende der zwölften Lebenswoche bezeichnet. Während dieser kurzen Zeit ist das Gehirn eines Welpen besonders aufnahmefähig. Man könnte sagen, alle Dinge die er jetzt lernt, sind bedeutsam für sein ganzes Leben. Und darum macht es Sinn, dass er diese Lernphase bereits bei seiner neuen Bezugsperson und in seinem zukünftigen Umfeld verbringt. Diese Bezugsperson muss nun die Rolle der Hundemutter nahtlos übernehmen und dafür sorgen, dass der Welpe weiterhin lernt, Richtiges von Falschem zu unterscheiden. Sie muss ihn nun vernünftig anleiten, ihm aber auch Grenzen setzen und ihn so zu einem intakten Mitglied in der menschlichen und hündischen Gesellschaft sozialisieren. Es ist also nicht damit getan, dem Kleinen nur zuzuschauen, sondern er braucht jetzt die aktive Unterstützung seiner Sozialpartner auf dem Weg ins Leben.

Familie mit Hund
Auch ein kleiner Labrador erzieht sich nicht von selbst. Er braucht die Anleitung seiner Menschen.

Es ist auch für mich immer wieder umwerfend zu sehen, wie unglaublich lernbegierig und lernfähig solch kleine Wesen schon sind. Äußerlich noch richtige Babys, sind sie schon sehr clever, verstehen Zusammenhänge im Null-Komma-Nix (leider auch unerwünschte) und merken sich diese. Welpen im dritten Lebensmonat können schon Grundübungen wie SITZ und DOWN, BLEIB und KOMM lernen. Man kann ihnen beibringen, das Bällchen oder einen anderen Gegenstand zu bringen und auf Signal loszulassen. Das alles sollte täglich spielerisch und stressfrei geübt werden. Stressfrei, damit der Kleine verinnerlicht, dass Lernen mit seinen menschlichen Sozialpartnern immer Spaß macht. Wer das richtig anfängt, wird später einen erwachsenen Hund haben, der ihm gerne gehorcht – weil er es eben genau so gelernt hat!

Auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft
Von Anfang an sollte der Welpe lernen, seinem Menschen zu folgen – ob mit oder ohne Leine.

Die Leinenführigkeit (falsch beigebracht?)

Sie ist oft ein gutes Beispiel dafür, wie man Welpen falsche Dinge buchstäblich beibringen kann. Ein gut an der Leine laufender Hund zieht und zerrt nicht kreuz und quer um seinen „Leinenhalter“ herum, sondern lernt von Anfang an, auf ihn zu achten: In welche Richtung soll es gehen? Geht er/sie schnell oder langsam? Biegt er/sie rechts oder links ab? Bleibt er/sie stehen? Hat er/sie mir irgendetwas zu sagen? So sähe ein aufmerksamer Hund im angeleinten Zustand aus.

Darum sollten seine ersten Leinenerfahrungen bereits dementsprechend sein. Sie beginnen mit dem sorfältigen Anlegen des Halsbandes oder Geschirrs, dem richtigen Verlassen der Sicherheitszone (Mensch geht vor, Welpe folgt) und den Aufmerksamkeitsübungen und Spielen an der Leine außerhalb des Hauses. (Botschaft: a) Angeleint sein ist schön. b) Achte auf die Vorgaben deines Menschen.) Einem zappeligen, aufgeregten Welpen ruck-zuck Halsband oder Geschirr überzustreifen, ihn dann als ersten durch die Haustüre flitzen zu lassen und ihm draußen (schlimmstenfalls an der Flexileine) hinterherzulaufen, hat bald den entsprechenden Lerneffekt: Man hat sich einen unaufmerksamen Leinenzieher erzogen.

Jack-Russell-Terrier-Welpe
Dieser Jack-Russell-Terrier-Welpe darf nicht alles. Der „Kampf“ mit der Ratte ist erlaubt.

No und Fein

Um einem Welpen überhaupt etwas beibringen zu können, braucht man eine klare Sprache, die ihm hilft, zu verstehen. NO + FEIN heißt im Prinzip: Ja oder Nein, Richtig oder Falsch. Ohne diese klaren Signale wird es schwierig, dem Kleinen die richtige Richtung zu weisen. Ich verwende dazu die Begriffe NO + FEIN weil sie akustisch sehr klar unterscheidbar sind, viel klarer als zum Beispiel: Nein und Fein. (Darum verwende ich übrigens auch DOWN statt dem althergebrachten PLATZ: Es ist akustisch sehr verschieden von SITZ.) Was das Tabuisierungssignal NO! bedeutet, bringe ich den Welpen bereits in den ersten Tagen des dritten Lebensmonats bei, allerdings im Rahmen sehr beliebter Spiele. So lernen sie, dass es völlig okay ist, sich bestimmte Sachen (wie beißen), verbieten zu lassen, weil auf das Gehorchen immer eine Belohnung folgt. Und dass es toll ist, weiterzumachen, wenn das beliebte Signal FEIN! erklingt.

Schäferhundwelpe
Der Schäferhundwelpe schaut aufmerksam zu seinem Menschen hin. „Was will er mir sagen?“

Diese und noch viele mehr sind die Dinge, auf die es ankommt. Hundekinder können und sollen sie bereits ab der neunten Lebenswoche von ihren neuen Sozialpartnern, sprich Menschen, lernen. Lassen Sie darum die Sozialisierungsphase nicht ungenutzt verstreichen, sondern nutzen Sie diese dazu, den Hund zu erziehen, den Sie später einmal haben möchten.

Shar Pei Welpe Akin
Die Verfasserin Barbara Neuber mit Shar Pei-Welpe Akin

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