Seid nett zueinander! Be reliable!

„Nett sein“ ist angesagt.

Man erhält andauernd „ganz liebe Grüße“ von Leuten, die man eigentlich überhaupt nicht kennt und jeder wünscht jedem ständig „einen schönen Tag“.

In dieser Form kann jeder natürlich zuerst einmal auf recht unanstrengende Art und Weise „nett“ sein. Doch wieviel Bestand hat diese Nettigkeit?

Was mir so auffällt: Verabredungen werden nicht eingehalten.

Als langjährige Trainerin war und bin ich oft damit beschäftigt, Menschen zusammenzuführen. Sei es, dass ich eine gemeinsame Wanderung organisiere, oder mich dafür einsetze, Hundehalter miteinander bekannt zu machen, damit sie sich mit ihren Hunden zum Spielen treffen oder zusammen spazieren gehen können.

Leider laufen solche Bemühungen oft ins Leere, weil diejenigen, für die ich das organisiert hatte, weil sie es angeblich so gerne wollten, kurz vorher absagten.

Abgesehen davon, dass das für mich auf Dauer sehr frustrierend und kräftezehrend wirkt, ist es auch nicht gerade rücksichtsvoll den anderen gegenüber.

Vielleicht haben sie zuvor ihre Zeitpläne auf das Treffen ausgerichtet?

Vielleicht haben sie dafür auf andere Angebote verzichtet?

Vielleicht haben sie sich sehr auf das Treffen gefreut?

Freundschaft Adobe Stock Foto 598560
„Freundschaft“                    Adobe Stock Foto 598560        Click here: https://stock.adobe.com

In einem meiner Foren finde ich folgende Kommunikation:

Teilnehmer A (TN A) sucht einen Partner für seinen Hund zum Spielen.

Es meldet sich daraufhin erfreut Teilnehmer B (TN B), der in derselben Ecke wohnt und auch einen Hund hat, der mal spielen will.

Die beiden verabreden sich für Freitag. (Freu! Herzchen! Ganz liebe Grüße!)

Am Donnerstag fragt TN A bei TN B an, ob es denn nun bei der Verabredung bleibt?

Darauf TN B: „Ach so, nee, leider kann ich morgen doch nicht“.

Puff! Fällt das ganze Kommunkationsgebäude in sich zusammen, mitsamt den Herzchen.

„Nett ist die kleine Schwester von Scheiße“ heißt der Buchtitel der Autorin Rebecca Niazi-Shahabi.

Be reliable! Sei verlässlich!

So habe ich das mal gelernt und so wird es natürlich auch mit Recht von mir erwartet. Wenn ich jemandem etwas zusage, bzw. einen Termin mache, halte ich mich daran, auch wenn sich zwischenzeitlich andere Interessen oder „wichtige“ Gründe dazwischenschieben. Warum? Weil hinter diesen Terminen Menschen stecken, die mir das wert sind.

Muss ich wirklich einen Impftermin beim Tierarzt machen, wenn ich bereits anderen zu diesem Zeitpunkt etwas zugesagt habe? Muss ich wirklich unbedingt irgendwo hinfahren, wenn ich eigentlich mit jemandem verabredet bin? Bin ich wirklich so „schlecht dran“, dass ich eine Verabredung nicht einhalten kann?

Was mir sonst noch auffällt: Keine Rückmeldung mehr.

Aktuelles Beispiel: Jemand, der einem meiner Foren beigetreten ist, schreibt mir, er käme mit der Bedienung nicht klar und bittet mich um Hilfe. Es ist 22.00 Uhr und ich hab nen langen Tag hinter mir. Aber ich klemm mich nochmal dahinter, kuck mir das alles nochmal an und schreibe zurück, welche Schritte die richtigen sind, um im Forum etwas zu veröffentlichen. Ich erhalte aber keine Antwort und frage am nächsten oder übernächsten Tag nochmal an, ob ich denn helfen konnte, den richtigen „Durchblick“ zu finden. Antwort: „Ich finde es etwas kompliziert, da durchzublicken.“ Daraufhin biete ich einen Telefontermin an, um die Sache am PC gemeinsam durchzugehen.

Antwort habe ich darauf nicht erhalten und ich denke mal, da kommt auch nix mehr.

Ein anderes Beispiel: Neulich habe ich einen Westernsattel im Internet zum Kauf angeboten. Es meldete sich eine junge Frau, die „sehr interessiert“ war. Sie wollte aber noch weitere Details zu dem Sattel wissen. Verständlicherweise, denn ein Sattel muss Pferd und Reiter wirklich passen. Kurz: Ich fuhr also noch dreimal zum Stall, um immer weitere gewünschte Vermessungen und Fotos liefern zu können. Bis dann irgendwann nichts mehr von ihr kam, auch keine Antwort auf meine Nachfrage.

Sie war offenbar mit mir fertig, hatte es sich anders überlegt, oder es war einfach nicht der richtige Sattel für sie.

Das wäre für mich auch völlig in Ordnung gewesen, nur – beendet man so die Kommunikation? War ich ihr nicht einmal wert, nach all meinen Bemühungen für sie, dass sie mir noch ein paar abschließende Worte schrieb? Vielleicht einfach: „Tut mir leid, es ist wohl doch nicht das Richtige.“

Sicher habt Ihr schon ähnliches erlebt, denn es ist heutzutage scheinbar für viele „normal“, den Austausch mit anderen grußlos und ohne jede Erklärung abzubrechen, wenn die nichts mehr zu bieten haben. Man lässt seinen „lieben Mitmenschen“ einfach hängen, sobald man nichts mehr von ihm will. Fertig, aus!

Von Mensch zu Mensch

Gerade in diesen Zeiten der allgemeinen Verunsicherung ist es aber wichtig, dass wir uns gegenseitig Sicherheit geben. Dazu kann jeder von uns zu beitragen, indem er seinen Mitmenschen beweist, dass sie sich auf ihn verlassen und auf ihn stützen können. „Einen schönen Tag noch“ ist schnell dahergesagt. Wer es ehrlich damit meint, muss schon etwas mehr investieren, um dem anderen den Tag wirklich schön zu machen.

Statt vordergründig „lieb und nett“ zu tun, sollten wir uns angewöhnen, loyal und verlässlich mit denen umzugehen, mit denen wir zu tun haben. Denn erst dann, wenn wir uns nicht mehr aufeinander verlassen können, sind wir wirklich verlassen!

Spruch des Tages:

Alle denken nur an sich

Außer ich

Ich denk an mich

(grins)

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Das Foto Nr. 598560 mit den zwei Hundefreunden ist von: https://stock.adobe.com

 

 

 

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